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Ferdinand Hiller – Oratorium
Die Zerstörung Jerusalems op.24

Sonntag, 26. August 2018; 19 Uhr
Kath. Christkönigkirche Westerburg

Ferdinand Hiller (1811-1885)
„Die Zerstörung Jerusalems“
Oratorium nach der heiligen Schrift, op.24

Jana Reiner (Berlin), Sopran
Stefanie Schaefer (Frankfurt), Alt
Bernhard Schneider (München), Tenor
Wolf Matthias Friedrich (Vogtland), Bass

Neues Rheinisches Kammerorchester Köln in sinfonischer Besetzung
Vox Humana Ensemble
Dekanatskantor Christoph Rethmeier

„Viel Zeit bleibt nicht mehr!“

Wie ein Sturm über dem Meer braust das babylonische Heer gen Jerusalem und es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann die vormals stolze Stadt in Trümmern liegen wird.

Die Warnung des Propheten Jeremia steht am Anfang von Ferdinand Hillers Oratorium „Die Zerstörung Jerusalems“.  Wort- und tongewaltig klingt der Appell an Israel, unverzüglich umzukehren auf dem Weg, den sie eingeschlagen haben – fernab von ihrem Gott – und der unweigerlich in ihr Verderben führen wird.

Viel Zeit bleibt nicht mehr!

Für die Zuhörer ist der drohende Untergang beinah mit Händen zu greifen dank der spannungsgeladenen Orchestrierung Hillers, die schlagartig fesselt und jeden wie ein Sog mit hinein nimmt in das Drama um den Propheten Jeremia und seine Auseinandersetzung mit dem Volk Israel und dem amtierenden König Zedekia.

Reue und Umkehr fordert Jeremia. Dann vielleicht wird Gott sich erbarmen und der heranbrausende Sturm aus militärischer Gewalt seine zerstörerische Kraft verlieren. Aber die prophetische Warnung stößt nicht bei allen Beteiligten auf offene Ohren. Die Angst vor dem Machtverlust wiegt schwerer als die kritische Reflexion des eigenen Handelns. Und so kommt es, wie es kommen muss!

Das Entsetzen bricht herein als das babylonische Heer unter König Nebukadnezar Jerusalem erreicht und nicht nur die Mauern sondern auch die Menschen wegfegt, die dort Zuhause sind. Dem Zuhörer bleibt an dieser Stelle nichts anderes übrig, als sich von der Verzweiflung des Volkes mitreißen zu lassen, das Gott in seiner größten Not um Erbarmen anfleht.

Erst als der Sturm sich legt, Jerusalem in Schutt und Asche liegt und seine Einwohner in Fesseln deportiert worden sind, erklingen vorsichtige Töne der Hoffnung; so dezent orchestriert, dass sie ganz behutsam aus dem erlebten Chaos hinaus führen und eine neue Perspektive eröffnen: wie nach dem Sterben ein neues Leben, so erweckt der gütige und barmherzige Gott sein verstoßenes Volk wieder.

Mit Ferdinand Hillers „Die Zerstörung Jerusalems“ (1840) widmet sich das Vox Humana Ensemble in diesem Jahr einem echten Schatz der Oratoriums-Literatur.

Das Textbuch dieses selten aufgeführten Werkes stammt von Salomon Ludwig (Levy) Steinheim und basiert überwiegend auf dem alttestamentlichen Buch des Propheten Jeremia. Texte aus dem Psalter und den Klageliedern Jeremias komplettieren die Erzählung rund um die (historische) Zerstörung Jerusalems im Jahr 587 v. Chr.

Die biblische Vorlage setzt Ferdinand Hiller in herausragender Art und Weise in Musik um. Es ist vor allem seiner bildhaften Komposition zu verdanken, dass das Drama um die Zerstörung Jerusalems vom ersten bis zum letzten Ton in keinem Moment an Spannung verliert. Der Chor schlüpft dabei in die Rollen der Israeliten, der Diener Zedekias, und auch die babylonischen Krieger und ihre Gesänge dürfen nicht fehlen!

Indem Hiller gekonnt den vielen verschiedenen Dimensionen menschlichen Erlebens eine jeweils eigene musikalische Sprache verleiht, werden die Zuhörer unweigerlich mit hineingenommen in das dramatische Geschehen rund um den alttestamentlichen Propheten und die letzten Tage Jerusalems.

Man spürt mit den Israeliten die letzte Chance zur Umkehr, resigniert mit Jeremia angesichts der Folgenlosigkeit seines Engagements, entsetzt sich mit den Bewohnern Jerusalems, die überrannt werden, feiert mit den Babylonien den erfolgreichen Feldzug ihres Königs, beklagt mit Jeremia das erlebte Unglück und schöpft vorsichtig Hoffnung, dass Gottes Gnade am Ende schwerer wiegt als sein Zorn.

Eine spannende Geschichte – in ebensolcher Musik erzählt. Wir freuen uns auf die Aufführung, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten!