Rückblick

und ob ich schon wanderte im finstern Tal…
– a cappella Konzert –

Sonntag, 24. November 2019; 18 Uhr
Evangelische St. Severus-Stiftskirche Gemünden

…und ob ich schon wanderte im finstern Tal –
Chorkonzert am Ewigkeitssonntag

Vox Humana Ensemble
Dekanatskantor Christoph Rethmeier

Text und Musik formen sich zum Requiem

Vox Humana Ensemble stimmte unter Christoph Rethmeier ein anspruchsvolles Programm in der Gemündener Kirche an

In der evangelischen Stiftskirche stimmte das Vox Humana Ensemble unter der Leitung von Dekanatskantor Christoph Rethmeier ein unter die Haut gehendes Konzert an. Das Motto lautete: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal…“.

Gemünden. Ein großer Ernst lag über dem anspruchsvollen Konzert unter dem Motto „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal – Du bist bei mir“, das Dekanatskantor Christoph Rethmeier mit dem Vox Humana Ensemble in der altehrwürdigen evangelischen Stiftskirche Gemünden gab. Die Stimmung war dem Programm und dem Tag der Aufführung angemessen. Man könnte zu Recht auch sagen: Das Konzert war eine Zumutung. Rethmeier mutete sich und seinen Sängern schwierige Stücke zu, quasi einen künstlerischen Marathon. Und das, obwohl für die Vorbereitung des Konzertes diesmal weniger Probenzeit zur Verfügung stand als bei den vorherigen Auftritten. Es war also ein Wagnis, was Rethmeier einging – welches das Vox Humana Ensemble mit Bravour und hoch konzentriert meisterte.

Zum Gesamteindruck des Konzertes trugen ganz wesentlich die Textrezitationen Rethmeiers bei, mit denen er weit mehr leistete, als Hintergrundinformationen zu den Stücken zu geben. Er spannte den Bogen von den existenziellen Bedrohungen durch Krieg, Tod, Flucht und Vertreibung bis hin zu individuellen Situationen, in denen Menschen mitten im Leben am Leben verzweifeln und die Frage „Warum?“ quälend die Seele umschattet. Texte und Musik fügten sich so zu einer Art modernen Requiems, dem das Publikum betroffen und mit hoher Aufmerksamkeit folgte.

Für die Qualität des Dekanatschores und die künstlerische Arbeit seines Leiters steht, wie eindrucksvoll das Vox Humana Ensemble die meist modernen Werke interpretierte. Die Sängerinnen und Sänger folgten dabei dem kleinsten Fingerzeig ihres Dirigenten, der sich mit diesem Ensemble einen Choraufgebaut hat, auf den er sich auch bei schwierigen Passagen verlassen kann.

Eröffnet wurde das Programm mit „Memento“ von Richard Rudolf Klein: Einer Vertonung über den Psalm 35,5 und zweier Gedichte, die mit den Worten „Herr, Herr, lehre mich“ beginnen. Innehalten, die eigenen inneren Fragen zulassen: Dazu ermunterte das Programm, das sich in der Spannung des weltlichen Volkstrauertages und des kirchlichen Ewigkeitssonntages mit dessen tröstlicher Zusage, „dass Gott uns alle Tränen abwischen wird“, bewegte.

Der große inhaltliche Bogen, der hier von Psalmen und Klageliedern Jeremias zu aktuellen Katastrophen wie die Zuganschläge in Madrid 2004 geschlagen wurde, konnte nicht lieblich klingen. Angesichts der Frage, wie beispielsweise die unmenschliche Zerstörung Dredens 1945 klingen könne, ist man fassungslos, dass solches Grauen überhaupt in Töne gefasst werden kann (Rudolf Mauersberger: Wie liegt die Stadt so wüst).

Das Programm war so aufgebaut, dass es zu Trost und Lobpreis Gottes führte. Expressiv interprtierte Rethmeier Vic Nees „De profundis clamavi“ (Aus der Tiefe rufe ich: Herr, höre mein Gebet!), „Richte mich, Gott“ von Felix Mendelssohn Bartholdy bis hin zum preisenden Laudate von Knut Nystedt und Pater Noster (Peteris Vasks). Fast meditativ andächtig führte der Dirigent seinen Chor durch Knut Nystedts „Immortal Bach“, bevor das Konzert mit einem modernen Dankgebet zur Nacht (Grace before sleep von Susan LaBarr) und Josef Rheinbergers Abendlied beschlossen wurde.

Dann wurde es still in dem Gotteshaus: Sänger, Dirigent und das Publikum ließen diesen besonderen Moment der Besinnung zu, bevor das Publikum ergriffen applaudierte. Rethmeier dankte dem Chor und den Zuhörern und gewährte mit Vox Humana eine Zugabe: Komm, Trost der Welt, du stille Nacht!

Angela Baumeier, Westerwälder Zeitung 26.11.2019

Das komplette Konzertprogramm: Programmheft Ewigkeitssonntag 2019

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Fotos: Röder-Moldenhauer
© Vox Humana Ensemble