Rückblick

Lobgesang – auf den Spuren
der Reformation

Sinfonisches Konzert zum Reformationsjubiläum 2017

Sonntag, 29. Oktober 2017
Kath. Christkönigkirche Höhn

Otto Nicolai „Ein feste Burg ist unser Gott“ –
Kirchliche Festouvertüre für Chor und Orchester

Antonín Dvorak „Biblische Gesänge“
für Mezzosopran und Orchester

Felix Mendelssohn „Lobgesang“-
Sinfonie-Kantate nach Worten der heiligen Schrift
für Soli, Chor und Orchester

Ulrike Fulde, Sopra
Stefanie Schaefer, Mezzosopran
Bernhard Schneider, Tenor

Orchester L’arpa festante München auf historischen Instrumenten
Vox Humana Ensemble
Dekanatskantor Christoph Rethmeier

Vox Humana Ensemble: Lobgesang umschmeichelte die Seele

Unter der musikalischen Leitung von Dekanatskantor Christoph Rethmeier erklang in Westerburg ein grandioses Konzert.

Nicht enden wollenden Beifall spendete ein tief berührtes Konzertpublikum in der Christkönigkirche Westerburg dem Vox Humana Ensemble, den Solisten Ulrike Fulde (Sopran), Stefanie Schaefer (Mezzosopran) und Bernhard Schneider (Tenor) sowie dem Barockorchester L’arpa festante, die gemeinsam unter dem Dirigat von Dekanatskantor Christoph Rethmeier zur Höchstform aufliefen. Sie boten unter dem Motto „Lobgesang“ ein Programm, das musikalisch den Spuren der Reformation folgte.

Fast hymnisch wurde das Konzert mit der kirchlichen Festouvertüre „Eine feste Burg ist unser Gott“ für Chor und Orchester von Otto Nicolai (1810–1849) eröffnet. Schon die ersten Klänge des Orchesters machten auf dessen besondere Wahl der Instrumente aufmerksam: Gespielt wird auf historischen Instrumenten, die einen besonderen Stimmklang haben und ideal zu dieser Vertonung des bekanntesten Lieds Martin Luthers passten. Ein Bravo gilt dem Dekanatschor Vox Humana, das an diesem Abend durch große Expressivität im Vortrag, feine Dynamik und ausgewogenen Stimmklang überzeugte. In Rethmeier haben die Sängerinnen und die Sänger da einen erfolgreichen Lehrmeister gefunden, der zudem mit der Wahl der Stücke wieder einmal ein glückliches Händchen hatte und deutlich auch in den sinfonischen Passagen mit Freude zu Hause ist. Seine Handschrift zeigt sich in der starken Gewichtung emotionaler Gestaltung ebenso wie in der Freude an dynamischen Steigerungen, aber auch in einer gekonnten Wahl der einzelnen Tempi.

Mit den „Biblischen Gesängen“ für Mezzosopran und Orchester von Antonin Dvorak (1841–1904) folgten Vertonungen von Psalmen, die Nöte, Flehen, Bitten und Zuversicht des modernen Christenmenschen ausdrücken. Die Solistin berührte dabei mit großer Ausdruckskraft, die sich ganz in den Dienst der Tonkunst stellte. In den Psalmen, so verdeutlicht Rethmeier in dem Programmheft, „berichten Menschen sehr persönlich, fast intim, von ihrem Unterwegssein und ihren Erfahrungen mit Gott.“

Romantik pur ist der Lobgesang von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847). Mit der Wahl der Solisten schenkte Rethmeier dabei einen Hörgenuss, der mitten ins Herz traf. Eine Wonne war es, dazu das Profiorchester die Sinfonia spielen zu hören, die bereits wesentliche Motive der folgenden Kantate anklingen lässt. Geschickt führte Rethmeier auch insofern Regie, als der Sopran „Die Nacht ist vergangen“ von der Empore aus sang und alle Konzertbesucher dazu eingeladen waren, „Lob, Ehr und Preis sei Gott“ (auf die Melodie von „Nun danket alle Gott“) mitzusingen. Professionell enthielt das informativ gestaltete Programmheft dazu die Noten samt Text.

Mit dem Schlusssatz „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn, Halleluja, lobe den Herrn“ ging ein Konzert zu Ende, das stürmisch gefeiert wurde und diesen Schlusspart als Motto hätte haben können. Es zeigte, dass die Spuren der Reformation auch musikalisch in einer Individualisierung und einem Freiheitsimpuls des Menschen zu finden sind.

Angela Baumeier, Westerwälder Zeitung 01.11.2017