Rückblick

ENIGMA VARIATIONEN und
MISSA PRO DEFUNCTIS – REQUIEM

Sonntag, 23. November 2025, 18 Uhr
Katholische Kirche Mariä Heimsuchung Höhn

Edward Elgar (1857-1934)
aus „Enigma Variationen“ für Orchester Op.36

Franz von Suppè (1819-1895)
Missa pro defunctis – Requiem
für Chor, Solisten und Orchester

Julia Borchert, Sopran
Alexandra Boulanger, Alt
Henning Jendritza, Tenor
Rolf A. Scheider, Bass

Neues Rheinisches Kammerorchester in sinfonischer Besetzung

Konzertchor Wirges
Vox Humana Ensemble
Dekanatskantor Christoph Rethmeier, Leitung

Mächtiges Werk erfüllt die Kirche in Höhn

Vox-Humana-Ensemble und Konzertchor Wirges interpretieren Musik der Romantik

Westerwaldkreis. Gibt es so etwas wie November-Musik? Als eigenes Genre sicher nicht. Aber Franz von Suppès „Missa pro defunctis“ wirkt wie ein in Klang gehüllter Herbstabend: dunkel, nachdenklich, melancholisch und doch tröstend. Das Vox Humana Ensemble, der Chor des Evangelischen Dekanats Westerwald unter der Leitung von Christoph Rethmeier, hat das opulente Werk nun in der Katholischen Kirche Mariä Heimsuchung in Höhn aufgeführt – und die zahlreichen Zuhörer tief bewegt in den kalten Novemberabend entlassen.

Im Inneren der Kirche hat die Kälte freilich keine Chance. Denn das spirituelle Werk strahlt Wärme aus. Ein musikalisches Gebet, entstanden 1855, also in der Blütezeit der musikalischen Romantik. Die Harmonien sind üppig, mäandern wie ein warmer Strom durch die Tonarten. Melodisch lässt sich das Werk viel Zeit; atmet tief und gleichmäßig und wagt eine große Dynamik: Mal singen die vier Solisten (bemerkenswert: Julia Borchert, Sopran; Alexandra Boulanger, Mezzosopran; Henning Jendritza, Tenor und Rolf A. Schneider, Bass) ganz ohne das Orchester. Im Kontrast dazu: das Ende. Das gleicht mit mächtigem Tutti und eruptiven Tamtam-Schlägen einem brodelndem Vulkan – bevor es dann ganz leise wie ein Windhauch in der Ewigkeit verklingt.

Dekanatskantor Christoph Rethmeier hat das Ensemble, das aus den Vokalisten von Vox Humana und dem Konzertchor Wirges besteht, zu einem homogenen Klangkörper geformt, der der „Missa pro defunctis“ mehr als gerecht wird. Dies ist auch deswegen besonders, da Rethmeier den Konzertchor Wirges erst Anfang des Jahres als künstlerischer Leiter übernommen hat. Über jeden Zweifel erhaben sind auch die MusikerInnen des Neuen Rheinischen Kammerorchesters Köln in großer sinfonischer Besetzung: Gemeinsam mit den Stimmen füllen sie den Kirchraum mit einem Klang, der die komplexe Harmonik wundervoll zur Geltung bringt, statt sie durch Unsauberkeiten zu verschleiern. Das gilt sowohl für die „Missa pro defunctis“ als auch für Edward Elgars „Variationen über ein Originalthema“, mit denen das Orchester unter der Leitung Rethmeiers den Abend eröffnet und dessen Tonsprache um einiges komplexer als das Werk Suppès ist. Die „Missa pro defunctis“ ist klarer, vielleicht: versöhnlicher, aber für die SängerInnen dennoch herausfordernd: Die hohen Passagen und Tempiwechsel des „Sanctus“ meistert der Chor ebenso souverän wie die komplexen Fugen von „Kyrie“ und „Cum sanctis“, während der langsam-schreitenden Passagen – etwa dem „Requiem“ – beweist er großes musikalisches Einfühlungsvermögen. Und im „Agnus dei“ blitzt sogar das Schwelgerische der Operette auf; einer Gattung, für die Franz von Suppè als ein Wegbereiter gilt.

Das Vox Humana Ensemble und der Konzertchor Wirges präsentieren gemeinsam mit den Instrumentalisten und Solisten also Novembermusik im besten Sinne. Wie ein stimmungsvoller Abend am wärmenden Feuer, während sich draußen der Nebel über die Hügel legt. (bon)

Peter Bongard, Westerburg 25. November 2025

Chorensemble begeistert mit Suppè-Requiem

Musikalischer Leiter Rethmeier formt Sänger und Instrumentalisten zu einer Einheit

Der österreichische Komponist Franz von Suppè gilt als der Schöpfer der Wiener Operette. Er hinterließ über 200 Bühnenwerke, darunter 26 aufgeführte Operetten, von denen die Ouvertüren zu “Dichter und Bauer” und “Leichte Kavallerie” besonders bekannt sind. Seine Operette “Boccaccio” gehört bis heute zum Standard-Repertoire deutschsprachiger Bühnen.

Wirges/Höhn. Der Konzertchor Wirges und der Chor des Evangelischen Dekanants Westerburg, Vox Humana, haben als 70-köpfiges Chorensemble am vierten Novemberwochenende mit ihrem Debütauftritt in dieser Formation ein Glanzlicht entzündet. Im Mittelpunkt der zwei Konzerte (am Samstag in der katholischen Kirche in Wirges und am Sonntag in der katholischen Kirche in Höhn) stand das Requiem „Missa pro defunctis“ von Franz von Suppè.

Es gehört zu den klanglich reichsten und zugleich ausgewogensten Requien des 19. Jahrhunderts. Der musikalische Leiter Christoph Rethmeier nennt es eine echt Wiederentdeckung, die ein „lebensbejahendes Requiem“ voller spannender Musik zum Klingen bringt. Die Musik malt weniger die düster-bedrohlichen Schrecken des Jüngsten Gerichts aus, sondern verweist tröstend auf die heiter-gelassene Erlösung, die dem irdischen Dasein folgt.

Die beiden Chorensembles haben die großen und klangvoll-wuchtigen Chöre des Requiems genauso wie die anrührenden Momente im Ensemblegesang und die virtuosen Männerchöre mit klanglich entrückenden Frauenchor-Passagen bei den Konzerten in Wirges und Höhn brillant intoniert. Garanten für diese berührende Aufführung waren neben dem Chor die Solisten Julia Borchert (Sopran), Alexandra Boulanger (Alt), Henning Jendritza (Tenor) und Rolf A. Scheider (Bass) sowie nicht zuletzt die 42 Musikerinnen und Musiker des Neuen Rheinischen Kammerorchesters in symphonischer Besetzung. Als Auftakt musizierte das Orchester drei Sätze der Enigma-Variationen von Edward Elgar, darunter die majestätische emotionale Sarabande „Nimrod“ und „Andante“ mit einleitenden und ausklingenden empfindsamen Celli-Soli. Das war ein gefühlvoller Einstieg in einen wunderbaren Konzertabend.

Das Suppè-Requiem, das musikalisch weniger mit den stilistisch ernsten, feierlichen und dramatischen Totenmessen gemein hat und manchmal sogar mit leichter, humorvoller Musik daherkommt, zeichnet sich dennoch durch eine Klangsprache voller Dramatik und Opernhaftigkeit, kraftvoll-spannende Steigerungen und kontrastreiche Chorsätze aus – gepaart mit dichten orchestralen Farben und ausdrucksstarken Solopartien, die an Oper erinnern, ohne den sakralen Charakter zu verlassen. All das haben die Interpreten bewundernswert gemeistert.

Das ist vor allem dem musikalischen Leiter Christoph Rethmeier zu verdanken, der es geschafft hat, einen 70-köpfigen Chor, ein schwungvoll musizierendes Orchester und vier Solisten zu einer Einheit im kongenialen Zusammenspiel zu formen. „Man muss schon weite Wege gehen, um ein solches Werk in dieser Qualität erleben zu können“, meinte ein Zuhörer am Ende des Konzertes. Eben nicht: Man muss gerade nicht in die Ferne schweifen, denn auch die Region hat Bemerkenswertes zu bieten, wie die beiden Konzerte in Wirges und Höhn eindrucksvoll bewiesen haben. Christoph Rethmeier und die Interpreten haben mit dem Requiem von Suppè ein Kleinod der romantischen Musik präsentiert. Prädikat „besonders wertvoll“!

Hans-Peter Metternich, Westerwälder Zeitung 26.November 2025

KONZERT IN HÖHN

© Peter Bongard

www.peterbongard.de

KONZERT IN WIRGES

© Carmen Böttcher Fotografie

carmenboettcher.com